Hugo: Vom Schattenhund zum Sonnenschein

Der illegale Welpenhandel sorgt aktuell für viele Schlagzeilen. Meist geht es um Welpen, die von skrupellosen Händlern über die Grenzen gekarrt und bei uns verkauft werden. Heute möchten wir euch einen der Schattenhunde hinter dem Welpenhandel vorstellen: den kleinen Chihuahua Hugo. Hinterhof-Vermehrer haben ihn jahrelang als Deckrüden missbraucht – bis zu seiner Rettung.

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Chihuahua Hugo hatte Glück: Er wurde aus einer Vermehrer-Zucht gerettet und lebt heute mit seinem Frauchen in München. (© zooplus)

Hugo kommt aus Fuerteventura. Wo viele Menschen ihren Urlaub genießen, lebte er mit rund 80 anderen Hunden in einem Outdoor-Zwinger in einem Hinterhof. An diesem Ort hatte er sein ganzes bisheriges Leben verbringen müssen. In dieser Zeit hat er nie etwas anderes als seinen Zwinger gesehen, er hatte kaum Möglichkeiten zum Auslauf und keine medizinische Versorgung – von liebevoller Zuneigung ganz zu schweigen.

Illegaler Handel mit Hund: Ein herzloses Geschäftsmodell

Doch warum das alles? Die traurige Antwort lautet leider: Profitgier.

Der Hinterhof-Vermehre missbrauchte Hugo als Deckrüden. Das heißt, der einzige Daseinszweck des kleinen Chihuahuas bestand darin, Nachwuchs zu zeugen. Diese Welpen verkaufte der Vermehrer anschließend mit hohem Gewinn weiter – ein brutales und herzloses Geschäftsmodell.

Hugos Rettung

Schließlich, im Februar 2021, hatten Hugo und zwanzig andere Hunde Glück. Die Tierschutzorganisation „4 Happy Paws“ bekam einen Tipp und schritt gegen diesen sogenannten „Züchter“ ein.

Daraufhin kam Hugo zunächst zu einer Pflegestelle in Teneriffa und wurde dort vermittelt. Schon zwei Monate später kam er dann nach Deutschland – und zu unserer Kollegin Ela. Was folgte, war eine aufregende Zeit für Chihuaha und Mensch! Denn das Zusammenleben mit einem Hund aus dem Tierschutz bringt für beide Seiten viele Überraschungen mit sich.

Wir lassen im zooplus-Blog nun beide zu Wort kommen. Zuerst berichtet Ela über ihren neuen Alltag mit Hugo:

Angekommen in München

Nach der Bewerbung für Hugo ging alles sehr flott. Keine Woche später, am 3. April 2021, flog er via Flugpatenschaft nach München. So schnell hatte ich gar nicht mit meinem neuen Mitbewohner gerechnet.

Eine liebe Pflegefamilie, die mit 4 Happy Paws zusammenarbeitet, passte für kurze Zeit auf ihn auf, bis ich aus Berlin zurückkam. Hugo war zuerst noch etwas schüchtern. Aber schon nach zehn Tagen flitzte er selbstbewusst und fröhlich mit meiner Hündin Daisy (eine Chihuahua-Dame) durch die Wohnung. Nur draußen ist er bis heute vorsichtig. Denn hier ist Vieles Neuland für ihn.

Schritt für Schritt ins neue Leben

Hugo hatte nie eine Leine oder „Gassigehen“ kennengelernt. Er war immer nur im Zwinger. Für uns hieß es das: viel Stehen. Denn an der Leine ging er oft in den „Freeze-Modus“ über. Er bewegte sich also nicht mehr.

Mit viel Geduld hat sich aus dem Stop-and-Go aber ein entspanntes Gehen entwickelt. Es sei denn, es regnet oder schneit – dann stemmt der 2,5-Kilogramm leichte Hugo sich in den Boden und wir warten auf besseres Wetter. Ohne Leine ist das aber kein Problem: Dann orientiert er sich an Daisy und mir und folgt uns überallhin.

Gemeinsam sind wir stark

Nach vielen Jahren im Zwinger ist es kein Wunder, dass Hugo manche Situationen noch unheimlich sind. Hinterhöfe oder Fahrstühle können ihn verunsichern, so dass er wieder „einfriert“.

Gemeinsam mit mir und Daisy hat er aber schon viele Herausforderungen in seinem neuen und abwechslungsreichen Alltag gemeistert. Die zwei lieben es zum Beispiel, im Fahrradkorb mitzuradeln. Ganz nach dem Motto, „den Mutigen gehört die Welt“, bellen sie manchmal auch andere Hunde an. Daran müssen wir noch arbeiten. Aber: Hugo fühlt sich sichtlich wohl in seinem neuen Leben.

Ein Platz an der Sonne …

… ist Hugo am liebsten. Denn er ist eine echte Frostbeule. Klar, auf Fuerteventura hat er kaum Temperaturen unter 18 Grad erlebt.

Kurz nach seiner Ankunft gab es bei uns heftigen April-Schnee. Doch zum Glück passte ihm ein Pullover von Daisy. Auch wenn Hugo Schnee interessant findet: Begeisterungsstürme wird er wohl nicht bei ihm auslösen.

Narben der Vergangenheit

Hugos Vergangenheit gehört zu ihm – und die sieht man ihm auch an. Denn gesundheitlich war er bei seiner Rettung in einem sehr schlechten Zustand. Fast alle Zähne mussten gezogen werden. Darum hängt seine Zunge meistens heraus.

Er hatte außerdem eine Entzündung im rechten Auge, das deshalb vernarbt ist. Dreimal täglich gebe ich ihm eine Salbe ins Auge, was er prima mitmacht.

Hugo leckt sich außerdem exzessiv seine Pfoten. Gemeinsam mit unserer Tierärztin versuchen wir die Ursache hierfür zu finden. Bis dahin gibt es im Haus Söckchen an den Pfoten, womit Hugo zum Glück kein Problem hat.

Training für den klugen Kopf

Der Alltag mit Hugo klappt mittlerweile super. Er bellt selten und kann mit Daisy zusammen problemlos alleinbleiben. Auch im Büro läuft’s!

Hugo ist ein kluger Kerl und gefällt gerne. Er kann schonSitz“, „Platz“ und „Männchen“. „Warte“. Die „Ghetto-Faust“ meistert er ebenfalls. Das Markieren im Haus habe ich ihm auch abgewöhnen können. Viele Hunde, die nur Zwingerhaltung kennen, brauchen einige Zeit, bis sie stubenrein sind, aber Hugo war sehr flott.

Resümee: Volltreffer!

Bevor Hugo einzog, kannte ich nur drei Fotos und die Kurzbeschreibung. Aber meine Entscheidung für ihn war goldrichtig: Ich habe mit Hugo einen perfekten unperfekten kleinen Hundemann bekommen. Er ist bereit, die Welt zu entdecken und möchte alles nachholen, was er in den letzten fünf bis sechs Jahren verpasst hat!

Ela ist mehr als glücklich mit ihrer Entscheidung, Hugo zu adoptieren. Der kleine Hundemann bereichert ihren Alltag jeden Tag aufs Neue. (© zooplus)

Würde ich also nochmal „Ja“ zu Hugo sagen? Aber sicher! Es macht mich glücklich, dass er die triste Vergangenheit hinter sich lassen kann. Die meisten Hunde aus ähnlichen Verhältnissen haben dieses Glück nicht.

Darum mein Appell: Bitte kauft niemals Welpen von unseriösen Vermehrern! Denn dahinter stehen immer viele Hunde, die wie Hugo früher leiden müssen. Ein Kauf bestärkt diese Vermehrer aber darin, ihr skrupelloses Geschäftsmodell weiterzuführen.

Das nächste Mal wird uns dann Hugo selbst von seinem neuen Leben in München berichtet. Seid gespannt!

Habt ihr auch schon einmal einen Hund oder eine Katze aus dem Tierschutz adoptiert? Erzählt uns eure Geschichte gerne in den Kommentaren.

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