Hundefriseurin Helga – eine Frau für alle Felle

Nach vielen Jahren als Bankangestellte in Deutschland und der Schweiz wagte Helga Malani einen kompletten Neustart: Sie absolvierte eine Ausbildung zum Certified Pet Groomer in Los Angeles, wo sie anschließend bei einem Dog-Groomer arbeitete. 2020 hat sie ihren Traum vom eigenen Hundesalon wahrgemacht. Dem Zooplus-Blog gewährt sie Einblicke in den Alltag beim Hundefriseur.

Helga Malani mit Havaneser-Hündin Gracy in ihrem Hundesalon (© H. Malani)

Helga, welche Hunderassen brauchen einen Hundefriseur?

Bei mir sind alle Hunde willkommen! Zu den häufigsten Besuchern zählen alle langhaarigen Hunde, die schnell verfilzen, und Vierbeiner mit viel Unterwolle. Außerdem natürlich Hunde mit Stockhaar, dazu zählen Rauhaardackel oder viele Terrier. In dieser Woche hatte ich zum Beispiel drei Cairn Terrier. Sie müssen regelmäßig getrimmt werden. Dabei zupfe ich locker gewordene Haare mit den Fingern aus. Rund alle zwei Monate eine Schur brauchen gelockte Hunde wie zum Beispiel Pudel und viele Doodle. Zum Hundefriseur können alle kommen, die sich einfach eine pflegeleichte Frisur für ihren Hund wünschen. Zum Beispiel den „Pet-Clip“, der die Fellstruktur erhält. Auch Katzen sind bei mir willkommen! 

Welche Felle sind für dich die größte Herausforderung?
Ganz klar: verfilzte Hunde. Der Pflegeaufwand bei langhaarigen Hunden wird leider von vielen unterschätzt. Entfilzen kann sehr aufwändig sein, manchmal hilft nur noch Scheren. Auch Hunde mit Stockhaar, die einmal geschoren wurden, sind eine Herausforderung: Es kann kniffelig werden, die natürliche Struktur des Fells wieder hinzubekommen.

Ganz schön haarig! Aber im Hundesalon geht es nicht nur ums Fell-Kürzen und Auszupfen, richtig?

Für mich geht es vor allem um die Gesunderhaltung und darum, dass der Hund sich rundum wohl in seiner Haut fühlt. Zur Pflege gehören Baden und Föhnen, aber auch Ohrenreinigen, um Entzündungen vorzubeugen. Bei Bedarf können Halter die Krallen kürzen und die Analdrüsen entleeren lassen. Ich biete außerdem Zahnsteinbehandlungen mit Ultraschall ohne Narkose an. Viele Hunde haben Zahnstein, der nicht nur üblen Maulgeruch verursacht, sondern sich negativ auf den gesamten Körper auswirken kann.

Was rätst du Haltern rund ums Baden ihres Hundes?

Früher hat man gesagt, man solle Hunde so selten wie möglich baden. Inzwischen sind die Pflegeprodukte auf die unterschiedlichen Fellarten abgestimmt. Sie sind so gut verträglich und mild, dass wir sie regelmäßig anwenden können und sollen. Ein Bad entfernt abgestorbene Hautschüppchen und der Hund fühlt sich rundum wohler.

Gracy genießt das Baden im Hundesalon (© H. Malani)

Wie lange dauert eine durchschnittliche Behandlung bei dir?

Das variiert natürlich je nach Hundegröße – vom Chihuahua bis zum Bernhardiner. Aber durchschnittlich brauche ich rund eineinhalb bis zwei Stunden.

Wie schaut es denn aus Hundesicht aus – wahrscheinlich sind nicht alle Vierbeiner begeistert vom Fellness-Programm?

Je früher man den Welpen an den Besuch im Hundesalon gewöhnt, desto gelassener nimmt er es. Wichtig ist ein sanfter, stressfreier Umgang mit jedem Hund. Deswegen ist es wichtig, sich Zeit lassen zu können. Für die meisten Hunde ist es am besten, wenn sie allein beim Grooming sind. So können sie sich komplett auf die Behandlung einlassen. Vor allem beim ersten Besuch geht’s mehr um die entspannte Pflege-Routine als um den perfekten Schnitt.

Was gefällt dir an deinem Beruf besonders?

Zeit mit einem Hund ist nie vergeudete Zeit! Ich liebe den Umgang mit den Hunden, freue mich, wenn sie frisch und gepflegt sind. Und wenn ein Hund schwanzwedelnd beim nächsten Termin erscheint, ist es das schönste Kompliment für mich.

Gibt es Hunde, die dir besonders in Erinnerung geblieben sind?
Ja, an manche „Felle“ erinnere ich mich besonders gut. Zum Beispiel an einen 16 Jahre alten Golden Retriever. Er hatte schon einen Schlaganfall hinter sich und war zum ersten Mal bei mir. Ich bat die Besitzerin zu bleiben, damit wir jederzeit abbrechen konnten. Zu meiner Überraschung hat der Hund jede Minute in der Badewanne genossen und später sogar genüsslich den Kopf Richtung Fön gehalten. Es war super, dem alten Kerlchen ein Verwöhnprogramm zu bieten.

Du hast auch in den USA gearbeitet – gibt es große Unterschiede zu Europa?

In Amerika ist Dog Grooming beim Profi viel selbstverständlicher und die Kunden lieben mehr Schnickschnack. Als ich in LA war, war der Mohawk, ein Irokesenschnitt für Hunde, total in. Alle Arten von Schleifen und Federn sind sehr beliebt. Inzwischen färben sie öfter das Fell, zum Beispiel Ohren oder Rute, ein. Generell bevorzugt man es in Europa natürlicher. Aber inzwischen etabliert sich auch hier mehr und mehr der regelmäßige Besuch im Hundesalon. Das hängt wohl damit zusammen, dass pflegeaufwändige Hunde, zum Beispiel Bolonka, Havaneser und „Doodle“, immer beliebter werden.

Vorher: Ein kleiner Mischling vor seinem Pflegeprogramm im Hundesalon. (© H. Malani)
Nachher: Gepflegt von Kopf bis Pfote und um jede Menge Fell leichter. (© H. Malani)

Hast du zum Abschluss noch ein paar Tipps für die Hundepflege für uns?

Na klar! Das Zauberwort heißt: Bürsten, Bürsten und nochmals Bürsten! Besonders am Herzen liegt mir Folgendes: Bürstet langes Fell nicht nur oberflächlich, sonst verfilzt es an der Haut – das sehe ich leider immer wieder. Und lasst Hunde mit Unterwolle oder Stockhaar nicht scheren. Das Fell ist dann zwar kürzer, die abgestorbenen Haare sind aber immer noch vorhanden. Bleibt dran: Je regelmäßiger die Fellpflege erfolgt, desto weniger Aufwand macht sie!

Helga, vielen Dank für das Gespräch – und weiterhin viel Erfolg mit deinem Hundesalon Seidenfell!

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