Erste Hilfe-Kurse für den Hund

Zur Not Mund-zu-Schnauze-Beatmung

Ein lautes Hunde-Bellen, plötzliches Autoreifen-Quietschen – „Bello“ liegt wimmernd am Straßenrand. Einer seiner Läufe ist abgeknickt, aus der Schnauze des Schäferhund-Mischlings tropft Blut – ein Fall für Bernd Frank. Der angehende Hundeführer ist seit Kurzem ausgebildeter Ersthelfer für Hunde. Wie Dutzende von Hundebesitzern vor ihm hat er beim Arbeiter Samariter-Bund (ASB) im mittelfränkischen Lauf einen Kurs für Hunde-Erste-Hilfe absolviert.

Man darf nicht zimperlich sein

Dabei dürfen die Ersthelfer nicht zimperlich sein. Wer es mit lebensrettenden Maßnahmen für sein Zamperl ernst meint, der darf zur Not auch vor Mund-zu-Schnauze-Beatmung nicht zurückschrecken, berichten die ASB-Ausbilder. Geübt wird das an einer Hundeattrappe aus Stoff und ist zugleich der Abschluss der ungewöhnlichen Erst-Helfer-Ausbildung.

Kursangebot für Tierfreunde

Seit eineinhalb Jahren bietet der ASB-Regionalverband Lauf-Altdorf allmonatlich den Kurs an. Inzwischen erfreut sich das Kursangebot bei Tierfreunden in der Region zunehmender Beliebtheit, wie Lehrgangsleiter und Rettungshundeführer Horst Maul erzählt. Den typischen Kursteilnehmer gebe es nicht. Der Pudelbesitzer interessiere sich für die Notfall-Tipps genauso wie der Hundeführer oder engagierte Mitglieder von Hundesportvereinen.

Wie alles entstand

Entstanden ist die Idee beim ASB Deutschland vor mehr als fünf Jahren, um verletzten ASB-Rettungshunden bei Einsätzen helfen zu können. Rund 70 Lehrkräfte aus dem gesamten Bundesgebiet haben bereits an den ASB-Ausbilderlehrgängen teilgenommen, so dass der Kurs bereits in rund 40 Ortsbereichen angeboten werden kann, berichtet Peter Goldschmidt von der ASB-Zentrale in Köln.

Kursinhalte

Der Lehrstoff des dreistündigen Kurses umfasst dabei eine Vielzahl von Tipps und Handgriffen für die häufigsten Hunde-Verletzungen – ob es nun darum geht, dem Vierbeiner einen Druckverband an der Pfote anzulegen oder um seinen Puls zu messen. Das, so raten die ASB-Helfer, mache man am besten am hinteren Schenkel von „Bello“ oder „Astor“. Über den Gesundheitszustand seines Hundes verrate am meisten die Blässe oder Röte seines Zahnfleisches.

Teilnehmer

Polizeihundeführer Andreas Kreß hat sich aus beruflichen Gründen für den Kurs angemeldet. Und so übt er auch am Ende des Kurses im freiwilligen Teil tapfer das Mund-zu-Schnauze-Beatmen an dem aus den USA stammenden knapp 3000 Mark teueren Phantom-Hund „Sherry“. Schließlich soll er das Gelernte als Multiplikator an seine Kollegen bei der Diensthundestaffel Nürnberg weitergeben.

„Auch helfende Hände werden gebissen“, warnt Horst Maul seine Schüler und empfiehlt die Schnauze des verletzten Hundes zu- und das Tier selbst irgendwo anzubinden – vor allem, wenn es sich um fremde Tiere handle. Dies ist ein Ratschlag, den sich auch Kursteilnehmerin Martina Dopfer zu Herzen nehmen will. Sie besitzt selbst einen Rauhaardackel, kümmert sich aber häufig auf Grund ihres Engagements für den Tierschutzverein Lauf um Pflege- und Fundhunde.

Auch Alltägliches wird gelernt

Schließlich widmet sich der Kurs auch dem alltäglichen Vergiftungsrisiko von Hunden – etwa wenn Pudel, Dackel oder Schäferhund-Mix im heimischen Wohnzimmer den Weihnachtsstern abknabbern oder sich im Garten am Goldregen satt fressen. „Auch eine ganze Tafel Schokolade kann für einen kleineren Hund zu viel sein und ihn das Leben kosten,“ macht Maul auf Vergiftungsgefahren aufmerksam.

Ausgelöst durch solche Vergiftungen oder durch einen Blutverlust kann auch bei einem Hund ein Schock auftreten, der für ihn genauso lebensbedrohlich ist, wie bei einem Menschen. So hört und sieht auch Cocker-Spaniel-Besitzerin Ute Znotins aus Feucht genau zu, als Horst Maul zusammen mit seinem geduldigen Assistenten, dem Golden-Retriever Dojan, die hundetypische Schocklage zeigt: den Vierbeiner auf die rechte Seite legen, den Fang öffnen und die Zunge herausziehen. In Höhe des Gesäßes sollte eine Decke oder Rucksack untergelegt werden.

Erste Hilfe am Menschen

Bei so viel Fürsorge für den Hund, vergisst Lehrgangsleiter Horst Maul aber nicht darauf hinzuweisen, dass man mit den 45 Mark Kursgebühr auch einen Zehn-Mark-Gutschein für einen normalen Erste-Hilfe-Kurs erwirbt – einen für Erste Hilfe beim Menschen. „Und der ist eigentlich viel wichtiger“, mahnt Maul, der sich nicht nur Werbung für den tierischen Erste-Hilfe-Kurs wünscht. Den einen oder anderen Teilnehmer würde er gerne im normalen Erste-Hilfe-Kurs wiedersehen.

Artikel von Christine Popp, dpa

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