Darf man Hunde küssen?

iStock_000010171709MediumKann denn Liebe Sünde sein?

Viele Tierbesitzer küssen ihre Hunde und Katzen und man kann eigentlich nur hoffen, dass sie sich und ihnen die Zähne geputzt haben! Aber Spaß beiseite – das Schmusen und Kuscheln mit Tieren kann in bestimmten Fällen nicht nur unhygienisch, sondern auch gefährlich sein.

Bei gepflegten und gesunden Vierbeinern ist Kuscheln natürlich erlaubt

Der Mensch selbst ist Träger unzähliger Keime und Pilze und verbreitet in seiner Umwelt täglich Millionen von unsichtbaren, abgestorbenen Hautschüppchen, die den Hausstaubmilben als Nahrung dienen… und das Tier ebenso.

Wir sollten uns allerdings gut überlegen, ob wir Hund oder Katze die Nachtruhe in unserem Bett erlauben. Wenn unsere Vierbeiner beim täglichen Streifzug durch das Gebüsch Zecken oder Flöhe mitbringen, kann das unangenehm werden und auch gesundheitliche Folgen haben. Flöhe können Bandwürmer, Zecken die Borreliose und Frühsommer-Meningitis übertragen. Deswegen sollten Sie Ihren Hund oder Ihre Katze hiervor entsprechend schützen. Besonders unangenehm und eventuell auch gefährlich sind Zecken, die im Haus vollgesogen aus dem Fell des Tieres fallen, in einer Ritze ihre Mahlzeit verdauen und sich bei Hunger ein neues Opfer suchen, wobei es sich auch um einen Menschen handeln kann. Natürlich stellt sich bei reinen Wohnungskatzen dieses Problem kaum. Auch wenn die Tiere krank sind, also beispielsweise an einer Magen-Darmerkrankung oder einer Atemwegsinfektion leiden, sollte man nochmals überdenken, ob Mensch und Tier eine gemeinsame Schlafstätte teilen sollten.

Und das Küssen?

Eigentlich sollte einem die Lust darauf schon bei dem Gedanken vergehen, dass beispielsweise der Hund kurz vorher beim Gassigehen intensiv an dem Kothaufen eines Artgenossen geschnüffelt hat. Professor Wilfried Kraft von der Veterinärmedizinischen Universität München warnte insbesondere davor, dass durch Küssen des Haustieres auch Helicobacter pylori, ein bei Magengeschwüren häufig diagnostizierter Erreger, übertragen werden kann. Und natürlich kann ein Tierbesitzer, der mit diesem Bakterium infiziert ist, auch seinen Hund oder seine Katze anstecken.

CatDer Kontakt mit Tieren trainiert das Immunsystem

‚Dreck macht Speck‘, so lautet ein altes Bauernsprichwort und bedeutet eigentlich, dass man ‚ rund und gesund‘ bleibt, weil das Immunsystem gut funktioniert. Bauern- oder auch Tierarztkinder leben häufig nicht in besonders keimfreier und absolut sauberer Umgebung. Die einen spielen im Stall, teilen ihr Brot mit dem Hofhund und den Hühnern, die anderen halten sich mit Vorliebe in den Praxisräumen auf und helfen ganz gerne dabei, kranke Tier zu versorgen. Natürlich werden diese Kinder auch regelmäßig gewaschen und leben nicht im Dreck, aber sie haben einfach mehr Kontakt mit den verschiedensten Keimen.

Veröffentlichung des britischen Pet Health Council

Nach einer Veröffentlichung des britischen Pet Health Council tragen Tiere sogar dazu bei, das Allergierisiko zu verringern: „Das Kuscheln und Schmusen mit den felligen Freunden trainiert das Immunsystem von Kindern und beugt einer Allergie gegen Pollen, Hausstaubmilben und Tierhaare im Erwachsenenalter vor.“ Auch eine kürzlich veröffentlichte Studie an der Universität München kam zu dem Schluss, dass Kinder, die regelmäßig Kontakt mit Tieren haben, weit weniger allergische Atemwegserkrankungen bekommen als ihre sauber und hygienisch einwandfrei aufgewachsenen Altersgenossen.

Artikel von Dr. med. vet. Ruth Wissler

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