Yukon Quest: Schlittenrennen

1000 Meilen müssen Mensch und Tier zurücklegen, beim Yukon Quest, dem härtesten Hundeschlittenrennen der Welt.

Whitehorse, Kanada, im Sommer ein häufig besuchter Touristenort, im Winter eisige Stille bei durchschnittlich minus 25 Grad. Ganz anders beim Auftakt zum Yukon Quest: “Ten seconds”, dröhnt es aus dem Lautsprecher. Ein paar hundert Zuschauer haben sich versammelt. Die 14 Hunde von Tim Mowry zerren wie die Verrückten an ihren Geschirren. Fünf Helfer stemmen sich ihnen an der Zugleine mit aller Kraft entgegen. Da soll nochmal jemand sagen, die Hunde würden zum Laufen gezwungen werden.

Huskys wollen rennen, und in diesem Fall liegen 1600 Kilometer vor ihnen. “Three, two, one, go.” 14 Huskys schießen durch die jubelnde Menschenmenge. Fünfhundert Meter euphorischer Applaus, dann sind sie allein, die Mushers, wie man in Fachkreisen die Hundeschlittenführer nennt. Sie alle haben nur ein Ziel: durchkommen.

Checkpoints

Erster von sieben Checkpoints ist Carmacks. Mc Mullin, mit 63 Jahren der älteste Teilnehmer, muss als erster seine Pflichtausrüstung bestehend aus Schlafsack, Schneeschuhen, Axt und Booties nachweisen. Booties sind Schneeschuhe für die empfindlichen Hundepfoten, denn bei diesen extremen Minustemperaturen wirkt der Schnee oft wie Schmirgelpapier. Alle Hunde werden von Tierärzten immer wieder untersucht. Leidet einer an starkem Durchfall, Dehydration oder sind die Pfoten zu schwer verletzt, wird der Hund aus dem Rennen genommen.

Hunderassen

Die meisten Musher sind mit Siberian Huskys unterwegs. Diese Rasse kam zu Beginn unseres Jahrhunderts nach Alaska, wo sie wegen seiner im Vergleich zum Alaskan Malamute eher zierlichen Erscheinung erst mal belächelt wurde. Dies änderte sich, als der Newcomer mit sensationell schnellen Rennzeiten aufwartete. Inzwischen sind die Hunde mit der typischen Gesichtsmaske und ihren oftmals verschiedenfarbigen Augen nicht mehr wegzudenken. Als Familienhund eignen sie sich allerdings nur bedingt. Sie taugen wenig als Wachhund und benötigen besonders viel Auslauf.

Aufholen der Abstände

Die Abstände zwischen den Teams vergrößern sich täglich. In der dritten Nacht sind es bereits mehrere Stunden. In gebrochenem Englisch erzählt der Frankokanadier, André Nadeau, dass er für Quebec als erster in der Goldgräberstadt Dawson ankommen möchte. Dies würde einigen Mushern aus Alaska und dem Yukon keineswegs schmecken. Drei Stunden später vertilgt Bruce Lee am Checkpunkt Scroggie Creek sein wohlverdientes Steak und sagt zu einem der Rangers: “Weck’ mich in zwei Stunden, ich muss an Nadeau rankommen.” Aber die relativ kurze Pause hilft nichts, am darauffolgenden Abend erreicht nach 463 Meilen André Nadeau als erster das historische Dawson und verdient sich hiermit 4 Unzen Gold.

Das Eis des Yukon Rivers muss halten

Nach 36 Stunden Pflichtaufenthalt geht es weiter, auf dem meterdick zugefrorenen Yukon River, Richtung Alaska. Dieses Jahr hält das Eis, aber in den zurückliegenden 15 Jahren sind schon viele Teams eingebrochen. Zumeist konnten sie sich retten und steifgefroren bis zum nächsten Checkpoint durchhalten, doch 1993 versank der Veteran Bruce Johnson mitsamt seinem Schlitten und allen Hunden.

Übernahme der Führung

Für die Führenden beginnt nun ein Pokerspiel. Bruce Lee befindet sich nur noch eine Stunde hinter Nadeau, der drittplazierte Paddy Santucci hat bereits einen Abstand von über 10 Stunden und kann kaum noch gefährlich werden. Am Checkpoint Circle ist es

 

soweit: Bruce hat zum ersten Mal die Führung übernommen. Doch nun steht der gefürchtete Eagle Summit bevor. Minus 30 Grad plus Sturm ergeben ein körperliches Empfinden von minus 45. Die Musher können durch die Schneeverwehungen und den Nebel ihre vordersten Hunde nicht mehr erkennen. Eiszapfen bilden sich in ihren Bärten. Wer ist in Führung? Keiner weiß es. Niemand sieht etwas.

Letzter Tag des Rennens

Um so überraschender beginnt der letzte Tag des Rennens: Sonnenschein und Windstille.

Der Pass ist überwunden und die Führenden legen eine letzte Rast ein. Doch statt ein paar Stunden hat sich Nadeau nach kurzer Zeit unauffällig davongeschlichen. Als Bruce Lee dies bemerkt, hat er es eilig. Er ist sich bewusst, dass er das schnellere Team besitzt, aber wie groß ist der Vorsprung? Wie sich nach 11 Tagen, 11 Stunden und 23 Minuten in Fairbanks rausstellt, war der Abstand nicht groß genug: Bruce Lee überquert als erster die Ziellinie. In letzter Minute ist seine Strategie doch noch aufgegangen: längere Pausen und ein höheres Tempo.

Artikel von Didi Thormann
Fotos und Copyright: Thomas Brodmann

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